Skip to content

Gewerbehof „Prisma“ Nürnberg

Gewerbehof „Prisma“ Nürnberg published on

2-wintergarten-innen-290443 Nürnberg: Planung: Joachim Eble Architektur. Bauträger: Karlsruher Lebensversicherung AG. Außergewöhnliche Farbgestaltung. „Stadtoase“ in einem intensiv städtisch genutzten und versiegelten Stadtbezirk. Naturklimaanlage mit Wasserkonzept (Ramboll Studio Dreiseitl). Büros und Gewerbe in den unteren Geschossen. Ein Geschosswohnbau und Maisonettenwohungen im DG mit zusammen 61 WE. Teilweise in Brettstapelbauweise, hoher baubiologischer Standard. Fertigstellung: 1997

Bauherr: Karlsruher Lebensversicherung AG

Fotogalerien fotogalerie-icon
2006
2002

Architekt: Joachim Eble Architektur Tübingen
Bautyp: Wohn und Gewerbehof / Neubau
Größe: Fläche Baugrundstück: 2.278 m²
EG (Ladenzone) 1.400 m²
1. – 4. OG (Büros) 6.200 m²
5. – 6. OG (Wohnungen) 9 pro Haus
Standort Das Gelände liegt am Rande des Sanierungsgebietes Gostenhof-Ost. Auf knapp 6.000 qm wurde ein Ensemble mit Mischnutzung errichtet, das durch seine halböffentlichen Bereiche als Bindeglied zwischen Gostenhof-Ost und der Stadt dient. Zwei nahezu gleiche Baukörper stehen sich leicht abgewinkelt gegenüber. Der Bauteil A, entlang der Rothenburger Straße, schließt den Blockrand und Bauteil B, entlang der Nachbarbebauung, öffnet sich zur Sonne hin. Ein zweizügiger städtischer Kindergarten und sozialer Wohnungsbau mit Wohneinheiten schließt rechtwinklig dazu den Blockrand an der dritten Seite.
Nutzung Das Erdgeschoß mit 1.400 qm Nutzfläche ist eine öffentlich zugängliche Ladenzone. Die Büros mit etwa 6.200 qm Nutzfläche liegen im ersten bis vierten Obergeschoß. In einem davon befinden sich die sogenannten Bürowohnungen, wo Wohnung und Büro hinter einer Türe vereint sind. In den Geschossen 5 und 6 sind in jedem Haus neun Maisonette-Wohnungen angeordnet.
Energie Aus der Erkenntnis, daß Wärme nicht einfach Wärme ist, sondern ein thermisches Mosaik darstellt, wurde das Gebäude energetisch optimiert und auf das Wohlbehagen des Menschen eingestellt.Das Gebäude ist als Niedrigenergiehaus konzipiert: Die passive Solarenergie-Nutzung, eine optimale Wärmedämmung und die Nutzung innerer Wärmequellen in Verbindung mit einer differenzierten elektronischen Steuerung ermöglichen einen sparsamen Energieverbrauch. Das Gebäude ist an das öffentliche Fernwärmenetz angeschlossen. Die Heizungsanlage ist so ausgelegt, daß über eine flinke Regelung innere Wärmequellen optimal genutzt werden und gleichzeitig ein hoher Strahlungsanteil Behaglichkeit erzeugt.

Es ist gelungen, trotz der hohen inneren Wärmelasten ohne Klimaanlage auszukommen. Zur sommerlichen Kühlung dienen die schweren Konstruktionen an den Gebäude-Rückseiten und -Flanken sowie die hochwärmegedämmten Leichtkonstruktionen zum Glashaus hin. Im Glashaus bewirken die Pflanzen und Wasserkaskaden eine Kühlung der Luft um bis zu drei Grad. Die nächtliche „Entladung“ der in den Wänden gespeicherten Wärme erfolgt durch das Öffnen des Glashauses und dem Hochschalten der Lüftungsanlage während der Nacht (22 bis 6 Uhr). In dieser Zeit strömt doppelt so viel Luft durch das Gebäude wie tagsüber. Da das Glashaus grundsätzlich unbeheizt bleibt, hat es nur geringe Wärmeverluste.

Glashaus als Wärmepuffer
Die Pufferfunktion des nicht beheizten Glashauses beruht auf dem Zusammenwirken von Luft, Wärme, Kühle, Feuchtigkeit, Licht und Kommunikation. Wasserelemente – wie Kaskaden, Wasserläufe, Teich – dienen der Luftbefeuchtung, sind darüber hinaus aber auch ein belebendes Element.

Durch die hohe Speichermasse der Wände und Decken und durch die Wärmeabgabe der beheizten Gebäude sinkt die Temperatur im Glashaus auch im Winter nur selten unter fünf Grad. Dieses Ergebnis der von Sunna durchgeführten Berechnungen hat sich auch in der Praxis bestätigt. Die Kühlleistung und Filterwirkung der Bepflanzung läßt sich dagegen kaum in Zahlen fassen. Wie die Untersuchungen von Prof. Loidl, Berlin, gezeigt haben, sind sie aber deutlich vorhanden. Um die Leistung der Pflanzen auszunutzen, wurden große Flächen im Glashaus und alle Terrassen intensiv begrünt.

Durch die Auswahl blattwerfender Pflanzen wird im Sommer eine Verschattung erreicht, während die Sonne im Winter ungehindert ins Haus scheinen kann. Die relative Luftfeuchte steigt im Sommer um etwa 5% in den Bürozonen. Daher ist es vorteilhaft, diffusionsoffene (sorptive) Baustoffe zu verwenden. Das Plätschern, die Gerüche, der Lichteinfall und das besondere Klima schaffen eine einzigartige Raum- und Arbeitsplatzqualität.

Konstruktion Das Gebäude ist auf einem Konstruktionsachsmaß von 5 m aufgebaut. Die tragende Wandkonstruktion besteht aus porosiertem Hochlochziegel. Die Wände der Geschäftsbauten sind zur Hofseite hin nichttragend ausgebildet. Die Treppenhäuser steifen den Bau mit aus. Die Fenster bestehen grundsätzlich aus Holz.
Alle verputzten Fassadenflächen – auch die zum Innenhof und die in den Glashäusern – sind mit hellen Mineralfarben nach dem Konzept von Barbara Eble-Graebener in unterschiedlichen Tönen lasierend gestaltet.Die dem Wetter nicht ausgesetzten Fassaden der Bürozeilen innerhalb des Glashauses erlauben eine differenzierte Ausformung. Diese Gebäudeteile sind in den oberen Geschossen mit Erkern aus Holz und Glas ausgebildet.
Für die Glasflächen zum Außenraum wurde Wärmeschutzverglasung gewählt (k-Wert 1,5), für die Glashäuser eine einfache Isolierverglasung (k-Wert 2,8). Im oberen Bereich unterhalb der Glasdächer schützen automatisch gesteuerten Faltbahnen gegen zu viel Helligkeit und sommerliche Hitze.
Die geschlossenen Bauteile sind wie folgt ausgebildet:
Massivwände: Porosierte Hochlochzielgel (Rohgewichte 2,0 bis 0,8 kg/dm³), Dicke 49 cm oder 36,5 cm, verputzt.Innere Fassaden in den Glashäusern:
Holzständer-Konstruktionen mit Dämmung aus Zelluloseflocken, Beplankung mit Zementspanplatten außen und Gipsfaserplatten innen.
Tonnendach: Wärmedämmung mit Zelluloseflocken zwischen den Holzbindern, raumseitiger Abschluß mit Holzbindern, raumseitiger Abschluß mit Gipsfaserplatten, gespachtelt und gestrichen.Die Bürogeschosse haben einen 17 cm hohen Doppelboden, in dem die Installationsleitungen und Lüftungskanäle liegen. Fenster, Türen und Einbauten sind weitgehend aus Massivholz. Die Oberflächenbehandlung erfolgte überwiegend mit Naturharzlacken bzw. -lasuren.
Wasser- und Pflanzenkonzept Sowohl das Glashaus als auch die Außenanlagen sind intensiv gärtnerisch gestaltet. Wasser ist das dominierende Element außen und im Glashaus. Die Kalthaus-Bepflanzung im Glashaus ist ein wesentlicher Baustein für das „Naturklima“ im Gebäude.Die Boden-, Wand- und Terrassenbegrünung in den Glashäusern erfüllt gleichzeitig mehrere Funktionen: Luftfilterung von Staubpartikeln, Befeuchtung, Sauerstoffanreicherung – und den Büronutzern als Naturerlebnis. Regenwasser wird in Pflanztrögen, in denen Lilien blühen, im fünften Stockwerk sowie im Hofteich aufgegangen, im durchwurzelten Boden gereinigt und in einer großen Zisterne im Tiefgeschoß gesammelt. Das so gefilterte Regenwasser versorgt das Grün in den Glashäusern, auf den Pflanzterrassen und im lnnenhof mit dem nötigen Naß.

Auch die Klimawände des Glashauses werden ausschließlich durch Regenwasser gespeist. Durch die Wasserverdunstung wird die Luft gekühlt und zugleich befeuchtet, eine natürliche Technik zur Beeinflussung des Raumklimas.

Eine Besonderheit ist die vom Atelier Dreiseitl geplante Regenwasser-Ableitung auf dem Grundstück: Überschüssiges Niederschlagswasser wird unter der Tiefgarage in einer etwa fünfzig Kubikmeter großen Schotterpackung versickert. Dies ist möglich, weil der Grundwasserspiegel weit unter der Tiefgarage liegt und der sandige Untergrund genügend durchlässig ist.

Link Fotos und Grundrisse: http://nesa1.uni-siegen.de/…

www.eble-architektur.de